Presse

 

Insektenhotels 2017

Der Kulturlandschaftsverein Hausen (KLV) hat sich 2017 neben den Arbeiten am Feldflora-Reservat vorgenommen, den Bienen und Wildbienen zu dienen. Mitglieder des KLV haben mit der Wambacher Mühle angeboten, für die unzähligen Wildbienen und Hummeln Nistplätze zu schaffen. Diese äußerst nützlichen Insekten bestäuben, zusammen mit den Honigbienen, unsere Nutzpflanzen. Wir alle können neben einem blütenreichen Garten diesen Tieren Nistplätze für die Nachkommen anbieten. Schilfrohr, Holunder- und Bambusstängel wurden zusammen mit Lehm und Holzstücken zu “Hotels” zusammengebaut. 

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" Was ist alle gemachte Poesie in einer Stadt gegen die Schönheit eines Kornfeldes."

P.Rosegger

Kleine Gärtner am Feldflora-Reservat

Auch in diesem Jahr haben die Vorschulkinder der KiTa Hausen sich Ende Mai aufgemacht, um am Feldflora-Reservat des Kulturlandschaftsvereins Hausen Blumensamen einzusäen. Ausgestattet mit Gummistiefeln und Regenjacken wanderten sie bei leichtem Regen gemeinsam mit der Erzieherin Claudia Lobenstein, 2 Praktikanten und Irina Heck vom Kulturlandschaftsverein vom Kindergarten zum Reservat. Im Feldflora-Reservat wird schon seit Jahren von den Kindern ein Blumenbeet mit z.B. Sonnenblumen angelegt.

Mit Unterstützung des Praktikanten Max Bernshausen wurden kleine Furchen gezogen, in denen die Kinder die Samen von Sonnenblumen einstreuten. Auf einer weiteren Fläche wurden Phacelia-Samen als Bienenfutterpflanze ausgestreut und auch zwischen den Reihen der Sonnenblumen. Dies machte den Kindern großen Spaß und in wenigen Wochen schon können sie sich davon überzeugen, wie die Samen aufgegangen sein werden und die Pflanzen wunderschön blühen.

„Das war für alle Beteiligten wieder ein schönes Erlebnis“, sagte Irina Heck und bedankte sich herzlich bei allen Kindern, der Erzieherin und den beiden Praktikanten.

Das Feldflora-Reservat (FFR) wurde vor über 16 Jahren vom Kulturlandschaftsverein Hausen angelegt und wird seither mit alten Kultursorten (Einkorn, Buchweizen, uvm.) bestellt. Zu finden sind dort nach wie vor seltene Ackerwildkräuter wie die Saatwucherblume. In 2014 wurde das FFR als UN-Dekade-Projekt für biologische Vielfalt ausgezeichnet. 

„Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner.“

Oskar Kokoschka

Von Christine Dressler

Ernennung zum UN-Dekade-Projekt

Profunder kann Naturschutz bundesweit nicht gewürdigt werden: Umwelt-Bundesministerin Barbara Hendricks, Professorin Beate Jessel als Präsidentin des Naturschutz-Bundesamts, und Geschäftsführer Heinrich Bottermann vom Bundes-Zentrum für Umweltkommunikation haben das Feldflora-Reservat mit Kulturlandschaftspfad zum „offiziellen Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ernannt. Die Urkunde übergab Landrat Burkhard Albers an Irina Heck, der Vorsitzenden des Kulturlandschaftsvereins.

Heck verriet strahlend: Sie hätte nie damit gerechnet, dass „unser kleiner Verein mit dem kleinen Reservat“ bundesweit Beachtung finden würde. Bürgermeister Michael Schlepper wundert das weniger, da beides herausragend sei: Der Verein erhalte mit der „biologischen Vielfalt“ im Reservat den auch für die Medizin und damit die Zukunft der Menschheit wertvollen „gentechnischen Pool“ und betreibe Bildungsarbeit.

Nur zu Fuss zu erreichen

Zum 2001 eingeweihten Feldflora-Reservat darf man nicht fahren. Aber wer sein Auto am Dorfgemeinschaftshaus parkt und dem gut ausgeschildert Weg folgt, erreicht es zu Fuß in gut zehn Minuten. Um das Reservat führen zwei Rundwanderwege zu allen Stationen des Kulturlandschaftspfads wie Teichbiotop, Basalt-Steinbruch, Wassertretbecken, Hängebrücke und Heide in der Herzgrube. Der eine ist 75 Minuten lang, der andere gut 100. Schilder erläutern die alten Kulturpflanzen und Ackerwildkräuter.

Mit dem Titel UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt würdigen die Vereinten Nationen Projekte, die vorbildlich die biologische Vielfalt erhalten. Ihren weltweiten Rückgang soll die Dekade von 2011 bis 2020 aufhalten. Um das gesellschaftliche Bewusstsein zu fördern, zeichnet die deutsche UN-Dekade mit Sitz in Osnabrück seit 2012 beispielhafte Forschungs-, Bildungs- und Naturschutz-Projekte aus.

Mehr Informationen zum Kulturlandschaftsverein und dem Feldflora-Reservat, der UN-Dekade und der Bewerbung gibt es im Internet: www.un-dekadebiologischen-vielfalt.

Lokal handeln

Die Ernennung zum UN-Dekade-Projekt beweise den Stellenwert der „großartigen Leistung“, bestätigte Albers. Nach dem Motto „global denken – lokal handeln“ bilde der Verein im Reservat „die ganze Welt mit ihrer biologischen Vielfalt“ ab“. Albers versprach „einen Beitrag“ der Naspa-Stiftung und gratulierte: „Ihre Arbeit wird als vorbildlich wahrgenommen.“ Sie sei auch „Initialzündung für neue Ideen“ wie die Stiftung „Unser Land Rheingau-Taunus“. Diese rief Wolfgang Ehmke wie auch den Verein und das Reservat mit ins Leben.

„Den Acker von Unkraut rein zu halten, ist wichtiger als man glaubt“, zitierte Ehmke ein altes Fachblatt. Es warnte 1821: „Verwildere der Acker durch Kräuter, „werden seine Kräfte immer mehr ausgesogen.“ Heute wisse man, dass das Gegenteil der Fall sei, aber trotzdem gebe es auf konventionellen Äckern nur zehn bis 20 Wildkräuter, sagte Ehmke. Der Acker im Feldflora-Reservat dagegen „ist eine Heimstatt für bedrohte Arten“ wie die Saat-Wucherblume. Sie wählte der Verein auch als Logo. Unter den jetzt 131 Arten beherberge das Reservat „allein neun von der roten Liste“, betonte Ehmke ihre Seltenheit.

„Die unscheinbaren Ackerkräuter geraten in Vergessenheit“, hoffte Ehmke, dass die Ernennung zum UN-Dekade-Projekt das ändert. „Dazu zeigen wir alte Kulturen von Emmer und Einkorn bis Hanf und Schlafmohn.“ Heck ergänzte: „Wir wollen im Mai, Juni wieder Backkurse anbieten, eine Parzelle mit Kindergartenkinder einsäen und mit Kindern Insektenhotels bauen, die sie zu Hause und wir am Reservat und an der Schule aufhängen können.“