Kulturpflanzen

(Isatis tinctoria - Familie der Kreuzblütler)

Färberwaid

Diese zweijährige Staude bildet im ersten Jahr kräftige Blattrosetten aus, die zur Verarbeitung gemäht werden. Erst im zweiten Jahr entwickeln sich die hohen Blütenstängel mit leuchtend gelben Blüten im Frühjahr und unverwechselbaren, länglichen Früchten im Sommer. Der Färberwaid war – vor allem im Mittelalter – die wichtigste Pflanze zum Blaufärben von Stoffen. Der älteste Fund stammt aus einer steinzeitlichen Höhle in Südfrankreich; in Deutschland wurden eisenzeitliche Reste des Waids an der Donau bei Riedlingen gefunden. Er ist wohl – ähnlich wie der Hanf – in keltischer Zeit aus Südosteuropa bei uns eingewandert. Der mittelalterliche Reichtum Thüringens gründete sich vor allem auf den Waidhandel und seine Verarbeitung. Dort lagen die fünf “Waidstädte” Erfurt, Gotha, Tennstedt, Arnstadt und Langensalza. Einige Landwirte bauen dort heute wieder Färberwaid an. Auch in Nassau gab es relativ viele Waidfelder für das Blaufärben (“Blaues Ländchen”). Im 20. Jahrhundert hat sich der Färberwaid vielerorts nach dem Erlöschen des Anbaues neue Lebensräume wie Felshänge und Weinbergsmauern erobert, wo er heute noch zu sehen ist (z.B. im Rheingau und am Mittelrhein). Bei der Verarbeitung mussten die abgeschnittenen Blätter einen langwierigen Prozess durchlaufen: Mahlen, Gären, Versetzen mit Urin und anderen Chemikalien. Der Wirkstoff ist zunächst farblos; erst wenn die zu färbenden Stoffe an der Luft aufgehängt wurden, kam die blaue Farbe durch den Sauerstoff zum Vorschein. Im Nastätter Heimatmuseum sind die Geräte und Verarbeitungsschritte beim Blaufärben anschaulich dargestellt.

(Cannabis sativa)

Hanf

Der Hanf fällt vor allem durch seine Grösse (bis zu 3 m) und seine handförmigen Fiederblätter auf . Die Pflanze ist zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Der Kulturhanf wurde bereits in der Steinzeit in China aus dem Wildhanf herausgezüchtet. Die ersten Nachweise in Mitteleuropa stammen aus der Eisenzeit (Kelten) ca. 500 v.Chr.. Auch im Herzogtum Nassau wurde Hanf als Faserlieferant (neben Lein) angebaut und für die Herstellung von Seilen, Stricken, Säcken und derben Stoffen verwendet. Anderenorts dienten die Samen zur Ölgewinnung. Bis heute wird Hanf in Russland, China und Indien grossflächig als Faser- und Ölpflanze angebaut. In den letzten Jahren gewann er bei uns als Baumaterial und Dämmstoff in der Automobilindustrie wieder an Bedeutung. Allgemein bekannt ist die Verwendung von Hanfblättern und -früchten als Rauschmittel (Marihuana, Haschisch), wofür sich besonders die tropischen Sorten eignen. Die im FFR angebaute und genehmigte Sorte “Juso 14” ist wirkstoffarm und als Rauschmittel nicht verwendbar!

(Vicia faba - Familie der Schmetterlingsblütler)

Ackerbohne, Saubohne

Auch Pferdebohne, Puffbohne, Dicke Bohne genannt. Seit der Bronzezeit (ca. 1200 v.Chr.) bei uns angebaut, ist dieses reizvolle Gemüse leider in Vergessenheit geraten. Es hat nämlich einen hohen Nährwert, der dem von Erbsen, Linsen oder Gartenbohnen entspricht. Die Pflanzen werden bis zu einem Meter hoch und sind weniger kälteempfindlich als Erbsen und Gartenbohnen. Sie werden heute noch in Belgien, Holland, Norddeutschland und vor allem rund um das Mittelmeer angebaut. So besteht z.B. das ägyptische Nationalgericht “fuul” hauptsächlich aus Ackerbohnen.

 

(Papaver somniferum - Familie der Mohngewächse)

Schlafmohn

Im Gegensatz zu den wilden Mohnarten weist der Schlafmohn ungeteilte, blaugrüne, etwas fleischige und kahle Blätter auf. Die Blüten sind sehr gross (bis 10 cm Durchmesser), meist hellviolett mit dunklem Grund, aus denen sich grosse, unbehaarte Fruchtkapseln entwickeln. Der Anbau im Taunus erfolgte früher in den Gärten und auf kleinen Feldern. Der Schlafmohn ist für den Menschen dreifach von Nutzen: als Ölpflanze, Gewürzpflanze und Heilpflanze. Die Mohnsamen gehören zu den ölreichsten Samen mit einem hohen Gehalt wertvoller Fettsäuren (z.B. Linolsäure). Auch heute noch werden sie als Gewürz für Backwaren (Mohnbrötchen, Mohnkuchen usw.) verwendet. Daneben liefern die ausländischen Mohnkulturen natürliche Heilmittel wie Codein (Stillung des Hustenreizes) und Morphium (Schmerzmittel). Im Orient entwickelte sich auch die Verwendung als Rauschmittel (Opium, Heroin). Wegen des Missbrauches ist deshalb der Anbau in den meisten Ländern (so auch in Deutschland) nur mit Genehmigung möglich. Die im FFR angebaute und genehmigte Sorte “Przemko” ist morphinarm und als Rauschmittel ungeeignet!

 

(Secale cereale - Familie der Gräser)

Roggen

Roggen (hier als Wintergetreide angebaut) ist eine unserer Hauptbrotfrüchte. Er wächst sehr hoch und hat lange, begrannte Ähren. Die Farbe der grünen Pflanzen spielt etwas ins Blaue, so dass die Roggenfelder im Frühjahr leicht zu erkennen sind. Diese Kulturpflanze stellt wenig Ansprüche an Böden und Klima. Sie gedeiht auf armen Sandböden und ist widerstandsfähig gegen Nässe, Trockenheit und Winterkälte. Deswegen hat sie auch im Taunus früher eine weite Verbreitung gehabt. Roggen dient ausschliesslich als Brotgetreide. Die Körner enthalten – wie die des Weizens – sehr viel Stärke und bringen deshalb eine hohe Mehlausbeute. Roggenbrot ist dunkler und schwerer (dichter) als Weizenbrot, bleibt aber wegen der höheren Feuchtigkeit länger frisch.

(Hordeum vulgare - Familie der Gräser)

Gerste

Es gibt zweizeilige Gersten mit flachen Ähren und mehrzeilige Sorten mit im Querschnitt viereckigen Ähren. Meist hängen die Ähren bei der Reife. Sie haben lange Grannen. Hier wird die Gerste meist als Sommerfrucht angebaut. Ihre Verwendung ist recht vielfältig: als Futtergetreide, als Braugerste für die Bierherstellung, zur Herstellung von Nahrungsmitteln wie Graupen, Grütze und Malzkaffee. Als Brotgetreide wird Gerste nur in Nordeuropa ein-gesetzt. Ähnlich wie Roggen kann Gerste auch auf schlechten Standorten gute Erträge bringen. In Norwegen bildet sie die Nordgrenze des Getreidebaues bei 70? nördlicher Breite. Sogar in den Alpen wird Gerste angebaut. Wegen des enormen Bierkonsums in Deutschland hat inzwischen die produzierte Gerstenmenge den Weizen überholt. Bereits in der Jungsteinzeit war Gerste neben Einkorn und Emmer in der Nahrung unserer Vorfahren vertreten. In der Römerzeit nahm sie vor allem in Norddeutschland – stark zu. Ab dem Mittelalter wurde Roggen die Hauptbrotfrucht. Die Gerste verlor in Deutschland bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts laufend an Bedeutung, bis sie in neuer Zeit als Braugerste und Futtergerste wieder einen Boom erlebte.

(Linum usitatissimum - Familie der Leingewächse)

Lein oder Flachs

Es ist zu unterscheiden zwischen Öllein (in den Subtropen für die Ölproduktion angebaut) und dem Faserlein (in den gemässigten Zonen Europas hauptsächlich für die Fasergewinnung angebaut). Hier ist nur der Faserlein bekannt, der als Sommer- oder als Winterlein gezüchtet wird. Der Lein ist – bei guter Düngung – eine hohe Pflanze (bis 90 cm hoch) mit wenigen Verzweigungen und kleinen, länglichen Blättern. Von Juni bis Juli entwickeln sich himmelblaue Blüten, die ein Leinfeld zu einem grossen, blauen Tuch werden lassen. Die Früchte sind kleine, runde und goldgelbe Kapseln, die die ölhaltigen Leinsamen enthalten. Für ein gutes Wachstum benötigt der Lein ein gemässigtes, feuchtes Klima und gute Böden. Früher war er im Taunus neben dem Hanf weit verbreitet. In Hausen war die Leinenweberei zu Beginn des 19. Jahrhunderts die häufigste Erwerbstätigkeit neben der Landwirtschaft! Heute findet man in Deutschland fast keinen Leinanbau mehr, da er von der Baumwolle und synthetischen Fasern verdrängt wurde. Die Gewinnung der Fasern für den Leinenstoff oder Garne stellte einen komplizierten Prozess dar, wozu auch spezielle Geräte verwendet wurden. Eine umfangreiche Ausstellung dazu kann im Heimatmuseum Nastätten besichtigt werden. Als Nebenprodukt wurden auch die Leinsamen genutzt, die einen hohen Nährwert (Öl, Protein, Stärke) aufweisen.

(Fagopyrum esculentum - Familie der Knöterichgewächse)

Buchweizen

Der Buchweizen ist eine einjährige Pflanze mit herzförmigen Blättern und weissen bis rosa Blüten, die in dichten Rispen stehen. Die dreikantigen Früchte sehen aus wie Bucheckern (vgl. Name!). Bei uns war allerdings der Name “Heidekorn” oder “Heidenkorn” gebräuchlich. Wegen seiner mehlhaltigen Früchte ist Buchweizen ähnlich wie Getreide verwendet worden. Dabei musste das Mehl mit Roggen- oder Weizenmehl vermischt werden, um Brot zu backen. Oft wurde das Mehl für Pfannkuchen verwendet, oder es wurde Grütze oder Viehfutter daraus hergestellt. Buchweizen ist sehr kälteempfindlich und kann deshalb hier keinen Winter überstehen. Nach der Aussaat im Mai reift er innerhalbvon 12 Wochen. Er bevorzugt saure, warme und eher trockene Böden wie z.B. auf Heiden und entwässerten Mooren. Im Taunus ist der Buchweizen bis ins 19. Jahrhundert in verschiedenen Dörfern angebaut worden. Heute wird er noch manchmal auf Wildäckern ausgesät.

(Triticum dicoccum - Familie der Gräser)

Emmer

Absatz der Ährenspindel sitzen zwei Körner; deshalb heisst der Emmer auch Zweikorn. Die Pflanze ist kräftig mit breiten, hellgrünen Blättern. In Bezug auf den Wuchsort ist Emmer relativ anspruchslos. Weil die junge Saat frostempfindlich ist, fand er meist Verwendung als Sommerfrucht. Er wurde früher als Brotgetreide, aber auch für die Herstellung von Graupen und Brei angebaut. Daneben diente er als Viehfutter. Bei uns ist der Anbau seit langem erloschen. Diese Parzelle soll uns einen Eindruck von der ersten Getreideart – neben dem Einkorn – vermitteln, die unsere Vorfahren vor mehr als 6000 Jahren im Goldenen Grund, im Rheintal und in der Wetterau anbauten. Im später besiedelten Taunus fand sich bisher kein Nachweis von Emmer oder Einkorn.

(Triticum monococcum - Familie der Gräser)

Einkorn

Einkorn gehört zu den zierlichsten Getreidearten. Es hat dünne Halme mit hellgrünen Blättern; die Ähren sind klein und flach mit langen Grannen und stehen aufrecht. Beiderseits der Ährenachse sitzt jeweils nur ein Korn (siehe Name). Wegen der hohen Kälteverträglichkeit wurde es als Winterfrucht angebaut. Einkorn ist wesentlich reicher an Eiweiss und Carotin als Weizen. Das Mehl hat deswegen eine gelbliche Farbe und ergibt ein relativ dunkles Brot. In den Lössgebieten Deutschlands war Einkorn zusammen mit Emmer die erste Getreideart, die unsere Vorfahren beim Übergang vom Jäger- und Sammler-Stadium zur sesshaften Bauernkultur anbauten (in der Jungsteinzeit; ab ca. 5500 v.Chr.). Im Taunus hat Einkorn allerdings keine grosse Verbreitung gefunden. Sein Anbau ging schon in der Bronzezeit stark zurück. Erst neuerdings besinnt man sich wieder auf die hohe Nahrungsmittelqualität des Einkorns. Einige Landwirte bauen auf kleiner Fläche dieses fast ausgestorbene Getreide wieder an (z.B. in der Lüneburger Heide).

(Triticum spelta - Familie der Gräser)

Dinkel oder Spelz

Der Dinkel zeichnet sich durch lange, dünne Ähren ohne Grannen und dunkelgrüne Blätter aus. Er ist mit dem Weizen verwandt. Da die Körner nach dem Dreschen noch von den Spelzen umschlossen sind, müssen sie in der Mühle in einem besonderen “Gerbgang” gemahlen werden. Wenn die Ähren einige Wochen vor der Reife geerntet werden, erhält man “Grünkern” – ein früher häufig verwendetes Mehl bzw. Schrot. Das normale Dinkelmehl wird zum Brotbacken verwendet. Dinkel kann flachgründige, steinige Böden gut vertragen. Deshalb wurde er hauptsächlich in den Mittelgebirgen und den Alpentälern angebaut. Im Taunus wurde viel Dinkel – besonders auf armen Böden – als Wintergetreide angebaut. Seit ca. 150 Jahren haben andere Getreidearten (bes. Weizen und Gerste) den Dinkel wegen einfacherer Verarbeitung und höherer Erträge verdrängt. Vor 50 Jahren war der Dinkelanbau in Deutschland fast erloschen. Wegen der jetzt zunehmenden Nachfrage ist die Anbaufläche aber wieder auf einige 1000 Hektar gewachsen – vor allem in Baden-Württemberg und Bayern.

(Avena sativa)

Hafer

Hafer (Avena sativa) bildet seine Körner in einer vielfach verzweigten Rispe aus. Also nicht in einer Ähre wie der Weizen, der Roggen, die Gerste oder der Dinkel.

Vermutlich war es auch der Hafer, dessen Samen der Mensch in grauer Vorzeit häufig gesammelt und in seinen Speiseplan integriert hat, ohne ihn gezielt anzubauen.

Hafer ist von allen geläufigen Getreidearten vermutlich die mit Abstand beste und gesündeste. Hafer ist glutenarm und gleichzeitig deutlich nährstoffreicher als alle anderen Getreidearten.

Da der Hafer nicht so ertragreich und nicht so einfach zu ernten ist wie Ährengetreide, schenkte man dem Hafer lange Jahrtausende nur wenig Beachtung.

Daher ist der Hafer jene Getreideart, die ganz zuletzt Opfer der menschlichen Züchtung wurde, so dass er auch heute noch zu den ursprünglichsten Gräsersamen gehören dürfte.

Während nämlich Weizen und Gerste schon mit Beginn des Ackerbaus vor mehr als 10.000 Jahren im Fokus der züchterischen Aktivitäten standen, begann man mit der Züchtung des Hafers erst vor 3.000 Jahren – und zwar deshalb, weil man nun endlich den tatsächlichen Wert des Hafers erkannt hatte:

Seine Widerstandsfähigkeit, weshalb er auch auf kargen Böden gedeiht und sein gleichzeitiger Nährstoffreichtum, der den Nähr- und Vitalstoffgehalt anderer Getreidearten bei weitem übertrifft.

" Was ist alle gemachte Poesie in einer Stadt gegen die Schönheit eines Kornfeldes."

P.Rosegger