Geschichte der Landwirtschaft

Das Feldflora Reservat in Hausen v.d. Höhe

1997 erfasste die Botanische Arbeitsgemeinschaft Taunus die Pflanzenvielfalt in diesem – botanisch teilweise noch wenig erforschten – Mittelgebirge. Bei der Kartierung fiel der ungewöhnliche Artenreichtum der Äcker um den Schlangenbader Ortsteil Hausen v.d. Höhe auf. Hier wurden noch seltene Ackerwildkräuter wie die Saatwucherblume, das Acker-Löwenmäulchen und der Gefurchte Feldsalat gefunden.

Die Aufgeschlossenheit der Gemeinde, des Eigentümers und der Landwirte ermöglichten die Einrichtung eines Feldflora-Reservates (FFR). In mühevoller Kleinarbeit wurde die Fläche gemeinsam von der Botanischen AG Taunus, vertreten durch Dr. Wolfgang Ehmke und dem Landwirt Wenzel Taut vorbereitet und mit alten Kultursorten wie Dinkel, Emmer, Einkorn, Lein und Buchweizen eingesät.

Informationstafeln erläutern vor Ort die Kulturen und die Wildpflanzen. Parallel dazu gründete sich der Kulturlandschaftsverein Hausen v.d.H., bestehend aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern, der für die Pflege und Unterhaltung des Reservates verantwortlich ist. Im Juni 2001 wurde das FFR Hausen v.d.H. eingeweiht.

Das Feldflora-Reservat Hausen v.d.H. wurde ermöglicht durch die intensive Zusammenarbeit zwischen dem Förderverein Kulturlandschaft Hausen, der Landwirtschaftsfamilie Taut und dem Eigentümer.

Geschichte der Landwirtschaft

Bevor das Industriezeitalter um 1850 begann, hat die Landwirtschaft eine vielgestaltige Landschaft mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten auch im Taunus geschaffen. Aber wer weiß noch, wie die Menschen auf dem Lande damals lebten, wie sie auf dem Felde arbeiteten, was sie gegessen hatten ? Unsere heutige Landwirtschaft läuft ganz anders ab: Früher Kuh-, Ochsen- oder Pferdegespanne – heute große Traktoren; früher Unkrautjäten oder Schädlinge sammeln mit der Hand – heute Spritzen von Herbiziden oder Insektiziden; früher kleine Handtuchäcker – heute große, maschinengerechte Schläge. Wir wollen und können nicht zurück in die “gute, alte Zeit”, die so gut gar nicht war – es gab Hungersnöte, Krankheiten, harte Arbeit und eintöniges Essen. Aber an einer Stelle, auf dieser kleinen Fläche im Feldflora-Reservat, können wir uns noch anschauen, – welche heute seltenen Kulturen die Bauern im Taunus vor ca. 200 Jahren anbauten – welche Wildkräuter hier früher auf den Äckern standen, die wir heute kaum noch kennen – wie sich bedrohte und selten gewordene Wildkräuter wieder vermehren können. In der fränkischen Zeit (etwa seit dem 8. Jahrhundert) entwickelte sich die bäuerliche Wirtschaftsform der Dreifelderwirtschaft, die den Ackerbau mehr als tausend Jahre prägte. Sie wurde teilweise bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortgeführt.

 

Dreifelderwirtschaft

Auch im Herzogtum Nassau war dieser dreijährige Kreislauf von Sommerfeld, Winterfeld und Brache per Anordnung vorgeschrieben. Alle Äcker eines Bauern durchliefen diesen Kreislauf in gleicher Reihenfolge und derart, dass stets je ein Drittel seiner gesamten Feldfläche als Winterfeld, Sommerfeld oder Brache genutzt wurde. Die Einteilung der Äcker war den Bauern im Schlaf geläufig! Dabei wurden viele Kulturarten eingesetzt, die heute im Taunus nur noch selten oder gar nicht mehr angebaut werden. Auf dem frisch gepflügten Brachfeld wurde im Herbst”Winterfrucht” ausgesät. Das war in den höheren Lagen des Taunus vor allem Winterroggen (hier “Korn” genannt) als Hauptbrotfrucht. Daneben wurde (vor allem in den tieferen Lagen auf besseren Böden) auch schon Winterweizen angebaut. Weitere Früchte im Winterfeld waren Dinkel oder Spelz und Winterraps.

 

Der grösste Teil des Sommerfeldes wurde mit Hafer und Lein (Flachs) bestellt. Daneben baute man Sommergerste, Runkelrüben, Hanf, Hirse, Buchweizen (“Heidekorn”) sowie Möhren und Kartoffeln an. Umfangreich war im Taunus auch der Anbau von Färberwaid, den man zum Blaufärben von Stoffen nutzte (“Blaues Ländchen”). Das Brachfeld bestand normalerweise aus Schwarzbrache, also gänzlich unbepflanztem Land, auf den das Vieh zur Weide geführt wurde. Wegen der zahlreichen Hungersnöte hat es sich aber in den armen Taunusdörfern später eingebürgert, zwei Drittel des Brachfeldes anders zu nutzen (“Verbesserte Dreifelderwirtschaft”). Dort baute man Klee, Futterwicken, Luzerne (also bodenverbessernde Leguminosen) sowie Kartoffeln, Kohlrabi, Weißkraut, Sommerraps und Weißrüben an. Diese Kulturen wurden stark mit Mist und Gülle gedüngt.

 

 

Anbau im Wandel

Gerade Hausen mit seinen Krautgärten war früher bekannt für den Krautanbau. Daneben wurden in geringeren Mengen angebaut: Weißer Senf, Schlafmohn, Runkelrüben, Erbsen und Linsen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Dreifelderwirtschaft allmählich von der heutigen intensiven Landwirtschaft abgelöst. Dieser Wandel hatte verheerende Folgen für die Ackerwildkräuter, denn ihre Lebensbedingungen wurden durch folgende Faktoren massiv beeinträchtigt: Wegfall der Schwarzbrache Intensivere Bodenbearbeitung (tieferes Pflügen usw.) Verschwinden alter Kulturarten (z.B. Lein, Dinkel) Verbesserung der Saatgutreinigung Aufgabe von schlechten Böden Intensivere Düngung mit Mineraldünger Flächendeckender Einsatz von Pestiziden etwa seit 1960.

 

Deshalb ist der Erhalt alter Kulturarten und der Ackerwildkräuter in einem Feldflora-Reservat sehr wichtig!